Forschung und Wissenschaft

Hier erfährst du Spannendes aus Forschung und Wissenschaft.

Klimawandel: Früheres Erblühen der Pflanzenwelt

Das wärmere Klima, besonders der milde Winter, beeinflusst die Vegetationszeit unserer Bäume und Pflanzen. Sie treiben im Frühjahr deutlich eher aus und wachsen bis in den Herbst hinein. Laut einer Studie hat das jedoch bedenkliche Nebenwirkungen. Für ihr Wachstum brauchen Pflanzen natürlich Wasser, was eine Austrocknung der Böden zur Folge hat. Das Problem ist, dass die Bäume und Pflanzen einen Großteil des aufgenommenen Wassers durch Verdunstung über ihre Blätter wieder abgeben. Dieses Wasser wird allerdings nicht an Ort und Stelle kompensiert, wo es aufgenommen wurde, sondern wird zum Beispiel in Form von Regenwolken durch Windströmungen in andere Regionen und Länder getrieben. Somit entsteht ein Feuchtigkeitsdefizit im späten Frühjahr, welches zu Sommerdürren führen kann. Laut einer Studie werden in Zukunft verschiedene Regionen in Europa von vermehrter Trockenheit betroffen sein.

Doch was bedeutet das frühere Erblühen für unsere Bestäuber? Bienen und Co. werden von Blüten mit Nektar und Pollen versorgt, im Gegenzug werden die Blüten bestäubt. Diese Wechselbeziehung ist aber nur möglich, wenn die Insekten zur Blütezeit schon aktiv sind. Da jetzt aber Bäume und Pflanzen früher austreiben und blühen, kommen die Bestäuber nicht hinterher, sie befinden sich noch in Winterruhe. Der richtige Zeitpunkt des Erwachens und Schlüpfens im Frühjahr ist sehr wichtig, denn bereits eine kurze Zeit ohne Nahrung kann verehrende Folgen für unsere kleinen Freunde haben. Im Gegenzug hat der Mangel an Bestäubern für Pflanzenarten, welche verfrüht blühen, negative Folgen auf ihren Reproduktionserfolg.

Posted on 14. January 2020

Lebensraumverlust und eine intensive Landwirtschaft sind die größten Treiber für das Insektensterben weltweit

Dass Jahr für Jahr immer mehr Insektenarten verschwinden, ist kein Geheimnis. Die größten Treiber für diese Entwicklung wurden nun im Rahmen einer umfassenden Prüfung untersucht, die im Journal Biological Conservation im April 2019 veröffentlicht wird. Hierfür wurden alle Langzeitstudien der letzten 40 Jahren zum Rückgang von Insekten berücksichtigt. Die Studie nennt folgende Treiber (in der Reihenfolge ihrer Bedeutung) als Hauptverursacher des weltweiten Insektenrückgangs:

  • Lebensraumverlust, Umstellung auf eine intensive Landwirtschaft und Urbanisierung
  • Umweltverschmutzung, hauptsächlich durch synthetische Pestizide und Düngemittel
  • Biologische Faktoren, einschließlich Pathogene und eingeführte Spezies
  • Klimawandel

Die Studie kommt zu dem Schluss, dass ohne eine Umstellung in der Landwirtschaft, 40% der heute existierenden Insektenspezies in den nächsten Dekaden aussterben werden. Die effizientesten Lösungswege sind laut der Studie: die Wiederherstellung von Lebensräumen gekoppelt mit einer drastischen Reduktion des agro-chemischen Inputs und Umgestaltung der Landwirtschaft.

Die Ergebnisse der Studie bekräftigen die Bemühungen von Bürger*innen, mehr Lebensraum für Insekten zu schaffen und sich für einen Wandel in der Landwirtschaft einzusetzen.

Posted on 15. Februar 2019

Bestäuber-Hotspots können urbane Gebiete bestäuberfreundlicher machen

Diese Woche hat das Journal Nature Ecology & Evolution eine große Studie über die Häufigkeit und Verteilung von Bestäubern in urbanen Gebieten veröffentlicht. Die Studie hat über zwei Jahre (2012-2013) Blütenquellen in vier britischen Städten untersucht und dabei die wesentlichen Arten von Flächennutzung in diesen urbanen Gebieten berücksichtigt.

Das Ergebnis: Im Vergleich zu allen anderen untersuchten Arten der Flächennutzung (Friedhöfe, Parks, Naturschutzgebiete, etc.) wurde in (Schreber-)Gärten eine 4- bis-52-mal höhere Dichte an Bestäubern gefunden. Unabhängig von der Art der Flächennutzung wurde insgesamt festgestellt, dass die Blumenvielfalt einen signifikant positiven Effekt auf die Menge und Vielfalt der Bestäuber hat. Darüber hinaus konnten die von Bestäubern an meisten besuchten Pflanzenspezies identifiziert werden: B. perennis (Gänseblümchen), Taraxacum agg (Löwenzahn) und Trifolium repens (Weißklee). Diese Pflanzen haben den Vorteil, dass die Blütenfülle einfach durch verringertes Mähen erhöht werden kann.

Die Studie zeigt uns, dass wir durch einfache Mittel urbane Gebiete für Bestäuber attraktiver und lebenswerter machen können.

 

Posted on 16. Januar 2019

Lithiumsalze als neuer Hoffnungsschimmer im Kampf gegen die Varroa

Die Landesanstalt für Bienenkunde der Universität Hohenheim hat am vergangenen Freitag ein Forschungspapier veröffentlicht, nach dem es optimistisch stimmende Resultate gibt, Varroamilben mit Lithiumchlorid zu bekämpfen.
Ursprünglich war in dem Labortest angedacht, die Ribonukleinsäure (RNA) der Milben derart zu verändern, dass sie hieran sterben. Um diesen Plan umzusetzen, wurden mit Milben besetzte Arbeiterbienen mit veränderter Milben-Ribonukleinsäure gefüttert. Lithiumchlorid wurde als Trägerstoff in der Futterlösung für die Bienen eingesetzt. Die Milben sollten diese RNA über das Saugen der Bienen-Hämolymphe aufnehmen. Die Umsetzung des Forschungsvorhabens verlief sehr erfolgreich – nach drei Tagen waren alle Milben getötet.
Allerdings stellte die Forschungsgruppe die gleichen Ergebnisse bei der Kontrollgruppe fest, die mit veränderter RNA von Quallen behandelt wurde, was aufgrund der starken genetischen Abweichung zu Bienen und Milbe keinerlei Effekt hätte haben sollen. Hierdurch ist erst der Trägerstoff Lithiumchlorid in den Fokus der Forscher gerückt und weitere Tests nur mit diesen Salzen allein zeigten die gleiche Milben-Mortalität.
Lithiumchlorid hat in den bisherigen Tests keinen negativen Effekt auf die im Labor behandelten Bienen sowie einige getestete Kunstschwärme gezeigt. Gleichzeitig ist es hochwirksam gegen Milben sowie einfach zu verabreichen und kostengünstig. Zudem lagert es sich aufgrund seiner Wasserlöslichkeit nicht im Bienenwachs ab, wirkt kaum toxisch auf Säugetiere und ist auch im medizinischen Einsatz bei Menschen (z.B. bei bipolarer Störung) gut erforscht. Diese ersten Ergebnisse stimmen Forscher und Imker weltweit zuversichtlich, dass sich im Kampf gegen die Varroa-Milbe ein neues und vor allem wirkungsvolles Verfahren abzeichnen könnte. Weitere Feldversuche stehen nun bevor, um die Praxistauglichkeit zu testen und eine künftige Zulassung in den Imkereien zu ermöglichen.

Posted on 16. Januar 2018

Dramatischer Insektenrückgang

Ist die intensive Landwirtschaft verantwortlich für das Insektensterben?

Eine Langzeitstudie hat bestätigt, dass die Masse der Insekten dramatisch zurückgegangen ist. Wissenschaftler haben in den vergangenen 27 Jahren an 63 verschiedenen Orten in Deutschland die Biomasse von Insekten gewogen. Das Ergebnis ist erschreckend: Seit 1989 ist die Masse der Insekten um durchschnittlich 76 Prozent geschrumpft. Ob die intensive Landwirtschaft, durch den Einsatz von Düngern und Pflanzenschutzmitteln, an dem dramatischen Rückgang schuld ist, konnte durch die Studie nicht abschließend geklärt werden. Die Wahrscheinlichkeit hierfür kann aber als hoch eingestuft werden, da über 90 Prozent der untersuchten Flächen von intensiver Landwirtschaft umgeben sind. Durch die Studie wurde wissenschaftlich belegt, was von vielen Forschern bereits seit längerer Zeit vermutet wurde. Es stellt sich also nicht mehr die Frage, ob unsere Insekten bedroht sind, sondern welche Maßnahmen getroffen werden können um den Insektenrückgang zu stoppen.

 

Posted on 20. Oktober 2017

Insekten gesucht

Vielen Menschen ist vielleicht bereits aufgefallen, dass nach Fahrten mit dem Auto deutlich weniger tote Insekten auf der Windschutzscheibe kleben als noch vor wenigen Jahrzehnten. Aus diesem Grund rufen Naturgucker und NABU zum Sommerinsekten-Monitoring auf. Ziel ist es, verlässliche Zahlen zum Insektenschwund zu gewinnen. Je mehr Menschen sich an dem Monitoring beteiligen, umso aussagekräftiger werden die Ergebnisse. Damit jeder sich beteiligen kann, wurden bekannte und leicht zu bestimmende Arten beziehungsweise Gattungen ausgewählt. Insgesamt werden elf Insekten und eine Spinne gesucht. Teilnehmer können auf Naturgucker.de Beobachtungen melden, Bilder hochladen und sich mit anderen Nutzern austauschen. Wie ihr auf den Fotos sehen könnt, haben wir auch schon einige der gesuchten Insekten entdeckt!

Posted on 25. August 2017

Siebenpunkt-Marienkäfer

Dunkle Erdhummel

Ackerhummel

Neue Studien zeigen schädliche Wirkung von Neonicotinoiden

Insektizide, Pestizide, Insektenvernichtungsmittel – Wie auch immer sie genannt werden, schädlich sind sie immer. Besonders hervorzuheben sind die Neonicotinoid-Insektizide, auch Neonics genannt. Diese werden als Saatgutbeizmittel verwendet und verbreiten sich im Laufe des Wachstums in jeder Pflanzenzelle. Auch Pollen und Nektar sind dabei betroffen. Studien haben bewiesen, dass die Fruchtbarkeit männlicher Bienen durch die Neonics beeinträchtigt wird. Zudem fliegen Bienen bevorzugt mit Neonics behandelte Pflanzen an und erleiden durch den Kontakt psychische Schäden wie Orientierungsschwäche. Diese Ergebnisse wurden nun um eine Feldstudie erweitert. Verschiedene Bestäuberarten wurden in drei Ländern neben Feldern ausgesetzt, die mit Neonics behandelt wurden. Das Ergebnis: In Ungarn und Großbritannien sank die Überwinterungsfähigkeit der Bienen. In Deutschland wurde dieses Phänomen jedoch nicht beobachtet, was sich auf verschiedene Konzentrationen der Neonics auf den Feldern zurückführen lässt. Dennoch wurde in allen drei Ländern beobachtet, dass sich der Fortpflanzungserfolg der Bienen verschlechterte. Kritiker bewerten die Studie als problematisch, da die Parameter zu grob seien und die Menge an Neonics zu stark variiere. Als Folge der Studie wird ein Verbot aller Neonics in der EU gefordert, um Bestäuber aller Art vor deren Auswirkungen  zu schützen.

Posted on 13. Juli 2017

David gegen Goliath

In vielen afrikanischen und asiatischen Ländern zertrampeln Elefantenherden auf der Suche nach Wasser regelmäßig Felder, zerstören Ernten und gefährden damit die Existenz vieler Kleinbauern. Dieser Konflikt zwischen Mensch und Elefant endet nicht selten tödlich – sowohl für Elefanten als auch für Menschen. Das Team um die Biologin Dr. Lucy King setzt diesem Problem nun durch eine innovative Lösung ein Ende. In zwölf Ländern wurden rund um Felder von Kleinbauern Bienenkästen angebracht. Denn Elefanten haben Angst vor Bienen und reagieren mit fluchtartigem Verhalten, wenn sie die Insekten hören. Die Zerstörung der Felder konnte so in vielen Fällen verhindert werden. Zusätzlich können die Bauern Honig gewinnen und durch dessen Verkauf ein wenig mehr finanzielle Unabhängigkeit erlangen. Ein wunderbares Beispiel dafür, wie Menschen und Bienen zusammenarbeiten können.

Posted on 12. Juli 2017