Wildbienen

Woran erkenne ich eine Wildbiene?

Insekten identifizieren ist nicht so einfach. Erst einmal sollte man sicher sein, keine Wespe und auch keinen “Mimikry”-Spezialisten wie eine Schwebfliege vor sich zu haben (einen Vergleich dieser Bestäuber findest du hier). Nun bist du einen Schritt weiter – aber ist es nun wirklich eine Wildbiene oder doch eine Honigbiene? Als Anfänger ist es leichter, die Wildbienen anhand des Ausschlusses einer Honigbiene zu identifizieren. Honigbienen haben besonders charakteristische Augen, Hinterbeine und Flügelzellen, an denen man sie zumindest auf einem Foto wie diesem gut identifizieren kann.

Um eine Verwechslung mit einer Honigbiene auszuschließen, ist auch die Größe der Biene ein wichtiges Kriterium: Honigbienen-Damen sind um die 12 mm lang. Alle wesentlich kleineren oder größeren Exemplare müssten also i.d.R. Wildbienen sein. Zudem lässt ein beobachtbarer Nistplatz wie z.B. im Bienenhotel, in Mauerritzen, im Erdboden o.ä. den eindeutigen Ausschluss einer Honigbiene zu. Diese leben natürlich im Bienenstock mit ihrem Volk.

Lebenszyklus solitärer Wildbienen

Die meisten Bienenarten bringen nur eine Generation im Jahr hervor und überdauern den Winter zum größten Teil als Vorpuppe, auch Ruhelarve genannt. Bei einigen Arten mehrerer Gattungen z.B. Andrena kommen auch zwei Generationen in einem Jahr zustande, eine Frühjahrs‑ und eine Sommergeneration. Der gesamte Lebenszyklus dieser Arten wird innerhalb eines Jahres vollendet.

Es beginnt damit, dass die Wildbienen wie z.B. die Mauerbiene einen geeigneten Hohlraum zum Nisten suchen – das kann ein klassisches Bienenhotel sein. Um den Nistplatz für Nachkommen herzurichten, tragen sie an Bauch oder Beinen Pollen herbei. Zwischendurch kann man die Bienenmutter beobachten, wie sie mit dem Hinterteil voran in die Brutröhre kriecht. Das ist der Zeitpunkt, an dem sie das Ei auf den Pollenvorrat legt. Die einzelnen Brutkammern werden mit Baumaterial z.B. Lehm voneinander getrennt und der Ausgangs ebenfalls geschlossen. Dies dient dazu, das Nest vor Feinden zu schützen.

Einige Tage nach der Eiablage schlüpfen 20-40 kleine Larven. Diese wachsen in 2 bis 4 Wochen über mehrere Stadien bis zur Puppe heran. In der Zeit ernähren sie sich von den Pollenvorräten, welche die Mutter für sie angelegt hat. Sie überdauern auch den Winter noch als Puppe, viele spinnen sich in einen Kokon aus Seide. Durch den Kokon geschützt kann sich nun die Verwandlung zur ausgewachsen Biene beginnen (Metamorphose). In der Regel benötigen die Männchen einen kürzeren Zeitraum für diesen Vorgang als die Weibchen und schlüpfen etwas früher. Da sich die Bienen innerhalb der gleichen Brutröhre aber nicht “überholen” können, legt die Mutter bei hintereinander liegenden Kammern immer die Weibchen als erstes nach hinten, bevor sie weiter vorne die männlichen Eier unterbringt. Nach dem Schlupf im nächsten Jahr beginnt ein neuer Lebenszyklus.

Lebensweise sozialer Wildbienen

Im Reich der Wildbienen sind die meisten Arten zwar solitär lebende Einzelkämpfer, aber es gibt auch Wohn- und Arbeitsgemeinschaften (v.a. bei den Schmalbienen) und sogar Staaten. Hummeln sind eng verwandt mit Honigbienen und bilden wie sie ein eigenes Volk. Dennoch unterscheidet sich ihre Lebensweise von den domestizierten Bienen in einem Punkt sehr stark: es überwintert nur die Königin. Diese Strategie hat mehrere Auswirkungen auf die Lebensweise der Hummeln. So benötigen sie weniger Vorräte als Honigbienen, denn nur ein Individium muss über den Winter kommen.

Mit den Königinnen beginnt der Lebenszyklus neuer Völker. Sie schlüpfen wie ihre Geschwister aus einem Ei der Mutter und werden durch die besondere Pflege der Arbeiterinnen zu Königinnen. Ein Volk bringt im Spätsommer immer mehrere Königinnen hervor, da ihre Überlebensraten bis zum nächsten Frühjahr recht gering sind. Diese Jungköniginnen sind schon an ihrer Größe deutlich von ihren Arbeiter-Schwestern zu unterscheiden. Sie werden von Drohnen begattet und fressen sich einen Winterspeck an, um damit allein in der Erde überwintern zu können. Ihr Geburtsvolk stirbt im Herbst.

Ab Februar/März sind die ersten wiedererwachten Königinnen zu beobachten. Sie stärken sich und suchen einen Nistplatz (z.B. ein verlassenes Mäuseloch). Sieht man sie mit Pollen umherfliegen, ist dies ein Zeichen, dass sie einen Platz gefunden hat und Vorräte für ihre Kinder anlegt. Nach und nach schlüpfen nun Arbeiterinnen und später auch Drohnen, während die Königin im Nest bleibt und nur noch Eier legt. Im Sommer schlüpfen auch hier Jungköniginnen und der Zyklus beginnt von vorne.

Wahre Nestbau-Spezialisten

Wildbienen suchen ganz unterschiedliche Plätze für ihr Nest und sind dabei zum Teil hochspezialisiert. Je nach Art sind ihre Lieblingsplätze:

  • in der Erde
  • in morschem Holz oder Käfer-Fraßgängen
  • in Pflanzenstängeln
  • in Schneckenhäusern
  • in Steilwänden
  • in Hohlräumen z.B. Trockenmauerspalten

Ca. 75% unser Wildbienenarten nisten im Boden. Gerade besonnte und karg bewachsene Flächen sind ideal. Sandfugen zwischen Steinen und Fliesen werden ebenfalls angenommen. Ihre Gänge graben sie zum Teil mehr als einen halben Meter tief!

Ca. 20% nutzen unsere klassischen Bienenhotels. Hierbei ist darauf zu achten, dass die Verarbeitung gut ist sowie ausreichende Tiefe der Niströhren (mind. 10x des Durchmessers) gegeben ist. Der Standort sollte sonnig sein und an einen ruhigen Platz angebracht werden. Eine Bauanleitung findest du hier.

Der Hauptgrund für die starke Gefährung vieler Wildbienenarten ist die Vernichtung ihrer Lebensräume und damit auch ihrer Niststätten. So haben Bodenversiegelungen beispielsweise für den Bau von Parkplätzen, Straßen und Gebäuden oder Bodernverdichtungen und -umbrüche einen starken negativen Einfluss auf ihre Nistmöglichkeiten.

Kuckucksbienen

Kuckucksbienen stehen mit ihrer Familienplanungstaktik dem namensgebenden Vogel in nichts nach und bedienen sich der Brutfürsorge anderer Bienen. Mit fast 135 Arten stellen die parasitischen Bienen fast ein Viertel der Bienenfauna Deutschlands dar. Oftmals bestehen enge Wirts-Kuckucks-Beziehungen mit hoher Spezialisierung. Zwei verschiedene Gruppen können unterschieden werden, die beide weder eigene Nester bauen noch Pollenvorräte für ihren Nachwuchs sammeln: die Sozialparasiten und die Futterparasiten.

 

Die sozialparasitischen Bienen (Kuckuckshummeln) lassen ihre Brut von den Arbeiterinnen sozialer Bienen (anderer Hummeln) aufziehen. Dafür dringt eine Kuckuckshummel-Königin in ein bestehendes Volk ein, töten die dort bisher lebende Königin und schmuggelt ihre eigenen Eier in das Nest. Die bestehenden Arbeiterinnen pflegen diese und scheinen die Veränderung nicht zu bemerken. Nach und nach schlüpfen zunehmend Nachkommen der Kuckuckshummel und darunter auch wieder Königinnen für die kommende Saison.

Kuckuckshummel erkennt man an ihren dunklen Flügeln. Ihre Hinterschienen haben keine Pollenkörbchen, sind also nicht glatt, sondern mit verfilzten Härchen besetzt.

 

Die Futterparasiten (z.B. Wespenbienen, Blutbienen, Düsterbienen und die hier abgebildete Schmuckbiene) nutzen die Futtervorräte anderer Bienennachkommen. Dafür “schmuggeln” sie ihre Eier in die Brutkammern anderer solitär lebender Bienen. Dies tun sie entweder unbemerkt, wenn die Bienenmutter ausgeflogen ist oder sie töten auch die dort bereits brütende Wirtsbiene. Die frisch geschlüpften Schmarotzerlarven ernähren sich vom Futtervorrat der Wirtslave, die daraufhin verhungert. Da sich alle unsere heimische Bienen vegetarisch ernähren, lassen sie die Wirtslave unberüht.

Die Larven parasitischer Solitärwespen hingegen würden neben dem Pollen auch noch das Wirtsei als Proteinlieferant nutzen.

Futterplätze

Wildbienen nutzen wie alle Bienen und auch Wespen Blütennektar als Energielieferant, z.B. um zu fliegen. Unsere heimische Bienenarten sind alle Vegetarier und sammeln Pollen wegen seines hohen Eiweißgehalts hauptsächlich zur Ernährung ihrer Nachkommen.

Bei der Nahrungssuche sind Wildbienen z.T. viel wählerischer als Honigbienen. Der Fortbestand einiger Arten hängt sogar vom Pollen bestimmter Pflanzenarten ab. Deswegen hilft es, für eine vielfältige Pflanzenwelt im heimischen Garten oder auch auf dem Balkon zu sorgen. Diese allgemeinen Tipps können den wichtigen Insekten helfen:

  • Natur zulassen
  • Heimische (Wildpflanzen-) Arten
  • Nahtloses Angebot
  • Vielfalt
  • Spezialisten bedienen
  • Kräuter aufblühen lassen

Eigenartige Schlafplätze

Die meisten Wildbienen sind nachts, bei schlechtem Wetter oder in den Mittagsstunden an heißen Tagen inaktiv. In ihren Nestern, Blüten, Hohlräumen ruhen sie sich aus. Einige beißen sich mit ihrem Oberkiefer an Blattstielen fest und hängen teilweise auch waagerecht an den Stielen.

Gerade die Kegelbienen, Wespenbienen oder auch die Filzbienen findet man an verschiedenen Pflanzenteilen fest gebissen sitzen. Diese sitzen meist vereinzelt an Stielen, hingegen z.B. Schmalbienen (Männchen) gerne gemeinsam versammeln an den Pflanzenteilen.