Die Honigbiene

Arten und Verbreitung

Weltweit gibt es neun Arten der Honigbiene. Die bei uns verbreitete Westliche Honigbiene gilt auf der ganzen Welt als Honiglieferant Nummer eins. Die anderen acht Arten sind in Asien heimisch, wo vor allem noch die Östliche Honigbiene von Menschen zur Honiggewinnung gehalten wird.

Alle Honigbienenarten unterscheiden sich nicht nur durch Aussehen und Größe, sondern auch durch ihre spannnende Lebensweise – heute nehmen wir die Westliche Honigbiene genauer unter die Lupe.

In unseren Breiten ist die Westliche Honigbiene (Apis mellifera) heimisch. Ursprünglich in Europa, Afrika und Vorderasien beheimatet, wurde sie während der Kolonialisierung durch die Europäer weltweit verbreitet und gilt als eines der wichtigsten Nutztiere der Welt.

In Deutschland und anderen kühleren Klimazonen Europas war die Dunkle Europäische Biene bis zum 2. Weltkrieg am stärksten verbreitet. Danach wurde sie durch die Rasse der Carnica verdrängt.  Sie ist eine Gebirgsbiene, gilt als eine der friedlichsten Rassen und zeichnet sich durch eine hohe Honigleistung aus.

Woran erkenne ich eine Honigbiene?

Honigbienen haben drei besonders deutliche Merkmale, an denen man sie zumindest auf dem Foto gut identifizieren kann:

  • deutlich behaarte Augen,
  • die Schienen an den Hinterbeinen sind besondern breit und haben eine sehr charakteristische Form: sie dienen als spezielle Transporteinrichtungen für das Eintragen von Nahrung und Baustoffen
  • die Radialzelle am Flügel ist lang gezogen und sieht bananenförmig aus.

Auch ist die Größe der Biene ein wichtiges Kriterium: Honigbienen-Damen sind um die 12 mm lang.

Der Bien - Ein Superorganismus

Während der Begriff Honigbienen die einzelnen Tiere in einem Volk beschreibt, verdeutlicht der Begriff “Bien” ein Bienenvolk in seinem ganzen Wesen. Die einzelnen Bienen in einem Volk leisten zusammen mehr als eine einzige Honigbiene vollbringen könnte – aus diesem Grund wird der Bien auch als Superorganismus bezeichnet.

Superorganismus bedeutet, gemeinsam Fähigkeiten oder Eigenschaften zu entwickeln, die über die Fähigkeiten der Individuen der Gemeinschaft hinausgehen.

Die Honigbienen sind neben den Ameisen eine der wenigen Tierarten, die über diese Fähigkeiten verfügen. Wenn man sich ein Bienenvolk als Superoganismus vorstellt, kann man viel besser verstehen, wie der Bienenstaat funktioniert…

…ein Bienenstaat besteht aus 30.000-50.000 Bienen und aus 3 Bienenwesen – Königin, Arbeiterin und Drohn. Gemeinsam sind sie wie ein Organsismus, dessen Zellen sich tagsüber trennen, ausfliegen, zurückkehren und nur in der Nacht und im Winter eine körperliche Einheit bilden. So wie Zellen verschiedene Aufgaben in einem Körper übernehmen, so unterwerfen sich auch die Bienen einer hochspezialisierten Arbeitsteilung, um so das Überleben ihres Volkes zu sichern -“Eine für alle, alle für Eine”.

Die Königin

Es gibt eine Königin (Weisel) im Volk. Sie schlüpft nach 16 Tagen und besitzt als einziges fruchtbares Weibchen besonders stark ausgebildete Geschlechtsdrüsen. Sie ist durch ihre Größe (20 – 25 mm), vor allem an ihrem großen, langen Hinterleib, erkennbar. Sie paart sich auf mehreren Hochzeitsflügen während einer einmaligen Brunstzeit mit ca. 10 – 20 Drohnen. Danach trägt sie in ihrer Samenblase den Spermienvorrat für die Dauer ihres Lebens (2 – 5 Jahre).  Von Februar bis Ende September legt sie täglich 500 bis maximal 2.000 Eier – in einem Jahr etwa 150.000 Eier, die ca. 60 mal soviel wiegen wie sie selbst. Sie legt wahlweise befruchtete Eier (weibliche Nachkommen) oder unbefruchtete Eier (Drohnen).

Neben der Eiablage sorgt sie für den Zusammenhalt des Volkes durch Absonderung von Pheromonen – Botenstoffen, die anziehend auf die Arbeiterinnen wirken und zur Arbeit anregen. Sie muss sich nicht einmal selbst um Nahrung bemühen, denn sie wird von den Arbeiterinnen umsorgt. Ihre Mundwerkzeuge und Sammeleinrichtungen sind aufgrund fehlender Nutzung zurückgebildet.

Wenn eine Königin stirbt, kommt es durch das Fehlen der Botenstoffe zur „Weiselunruhe“. Durch den Umbau von normalen Brutzellen in Weiselzellen und das Füttern weiblicher Larven mit Gelée Royale ziehen die Arbeiterinnen eine neue Königin heran.

Will ein Volk sich teilen (schwärmen) bereitet es i.d.R. mehrere Weiselzellen vor. Bevor aus diesen neue Königinnen schlüfpen, verlässt die alte Königin mit etwa der Hälfte des Volkes den Stock. Schlüpfen wenige Tage später mehrere neue Königinnen, kommt es zum Kampf, denn es kann nur eine geben.

Die Arbeiterin

Arbeiterinnen entwickeln sich in 21 Tagen. Sie besitzen im Gegensatz zu der Königin verkümmerte Geschlechtsorgane und sind dadurch kleiner (13 – 15 mm). Sie müssen sich um alle anfallenden Arbeiten im Bienenstaat kümmern. Die Aufgaben im Innen- bzw. Außenbereich werden in Abhängigkeit von ihrem Alter nacheinander ausgeführt. Der Zusammenhang besteht darin, dass je nach Alter die notwendigen Organe für die Arbeiten nach und nach funktionstüchtig werden.

Die Futterdrüsen im Kopf der Arbeiterinnen sind bis zum 10. Lebenstag nach dem Schlüpfen stark entwickelt. Ihre Hauptaufgabe ist in dieser Zeit die Pflege und das Füttern der Maden. Jede Arbeiterin kann durch den Pflegeaufwand (2.000 Besuche pro Made) nur drei Larven aufziehen. Ab dem 10. Tag bis zum 16. Tag werden die Futtersaftdrüsen zurückgebildet, dafür sind die Wachsdrüsen am Hinterleib aktiv. In diesem Alter bauen die Arbeiterinnen Waben und verdeckeln die Zellen. Als Wächter am Flugloch arbeitet die Biene zwischen dem 17. und 20. Lebenstag. Ab ca. dem 21. Lebenstag ist die Arbeitsbiene mit dem Eintragen von Nektar, Pollen, Wasser und Pflanzenharzen im Außendienst beschäftigt. Dieser Arbeit geht sie bis zum Lebensende von ca. 5 bis 6 Wochen nach.

Der Drohn

Die Drohnen entstehen aus unbefruchteten Eiern. Ihre Entwicklungszeit beträgt 24 Tage. Sie sind gedrungener gebaut als die beiden anderen Wesen (Länge: 15 – 17 mm). Ihre Aufgabe erschöpft sich lediglich darin, junge Königinnen während des Hochzeitfluges zu begatten. Daher sind ihre Geschlechtsorgane sehr gut ausgebildet sowie ihre auffällig großen Augen, mit denen sie eine Königin im Flug von weither erkennen müssen. Ihr Rüssel ist verkürzt, sowie Sammeleinrichtungen und Stachel fehlen. Sie beteiligen sich nicht an den Arbeiten im Bienenstock und müssen sogar von den Arbeiterinnen gefüttert werden. Die Drohnen leben nur wenige Wochen. Sie sterben bei der Begattung. Diejenigen, die sich nicht fortgepflanzt haben, werden im Herbst nicht mehr gebraucht. Sie werden aus dem Stock gezerrt (Drohnenschlacht), wo sie sterben.

Gemeinsam stark ...

... bei der Temperaturregulierung

Während es draußen stürmt, regnet oder schneit, hat sich das Bienenvolk im Stock zu einer Traube zusammengeballt, in deren Inneren die Königin auf den Frühling wartet. Die Sammelflüge sind eingestellt, es wird kein Honig produziert und kein Pollen eingelagert. Was von außen wie ein Winterschlaf aussieht, ist in Wirklichkeit Schwerstarbeit: 10.000 – 20.000 Bienen zittern sich durch den Winter. Denn um die Temperatur zu halten, müssen sie heizen. Sie zittern mit den größten Muskeln, die sie haben – den Flugmuskeln – so lange, bis ihr Brustkorb auf bis zu 44 Grad aufgeheizt ist. Um dabei keinen störenden Wind zu machen, werden die Flügel einfach ausgekuppelt, die Muskeln laufen im Leerlauf. Wie die Standheizung eines Autos.

Ist die Biene heiß, krabbelt sie ins Innere der Traube – und wird später von den nachdrängenden heißeren Bienen wieder nach außen verdrängt. Dieses Wechselspiel dauert bis in den Frühling, Tag und Nacht, ohne Pause.

Erst die Überwinterung der Honigbiene macht es möglich, im Frühjahr zur ersten großen Blüte genügend Insekten zur Bestäubung zu haben. Viele andere Bienenarten befinden sich zu diesem Zeitpunkt noch im Aufbau ihrer Population.

Im Sommer „schwitzt“ das Volk. Spezialisierte Bienen verteilen Flüssigkeit im Stock und fächeln mit den Flügeln, sodass das Wasser verdunstet und dem Volk Frischluft zugeführt wird.

...durch Kommunikation

Jede einzelne Biene hat ein Gehirn, das sich mit dem der anderen vernetzt. So wie die Nervenzellen im menschlichen Gehirn einzeln keine Informationen speichern können und nur im Verbund „klug“ werden. Dazu müssen sie kommunizieren – das passiert ständig und überall. Immer wenn sich zwei Bienen treffen, tauschen sie Informationen aus – in Form von Nektar, Gerüchen oder auch Bewegungen. Der Bienenstock ist eine permanente Informationsbörse.

Die Lage und Ergiebigkeit von Futterquellen lassen sich auf diese Weise mitteilen:

Liegt eine gefundene Tracht im Umkreis von ca. 80 m, also in unmittelbarer Nähe, werden die Daten den beteiligten Bienen im Rundtanz vermittelt. Dazu beginnt eine Biene, nachdem sie das mitgebrachte Futter verfüttert hat, auf der Wabe enge, achtförmige Kreise zu laufen. Ist die Nahrung weiter entfernt, so führt die Sammelbiene einen Schwänzeltanz auf. Dabei läuft sie auf den Waben einen Halbkreis, kehrt geradlinig zum Anfang zurück, läuft einen weiteren Halbkreis in die andere Richtung, läuft wieder auf der geraden Linie zurück usw. Auf der geraden Linie schwänzelt sie mehr oder weniger intensiv mit dem Hinterleib. Dabei gibt das Tanztempo die Entfernung an, so sind es z. B. bei 500 m Entfernung 6 Schwänzelläufe in 15 Sekunden, bei 5 km nur noch ca. zwei Läufe. Die Richtung, in der das Futter zu finden ist, wird durch die Orientierung zur Sonne dargestellt. Den Winkel der Schwänzelstrecke zur Senkrechten der Wabe stellt die Biene in Beziehung zum Sonnenstand dar. Wenn sie nach unten läuft, so müssen die Arbeiterinnen von der Sonne wegfliegen. Wenn die Tracht in Richtung der Sonne liegt, dann tanzt die Sammlerin nach oben.

Ihr größter Feind

Eine Vielzahl von Parasiten, Pilzen, Bakterien und Fressfeinden macht den Bienen das Leben schwer. Als größter Bienenschädling gilt die Varroamilbe – sie ist Staatsfeind Nr. 1.

Die Varroamilbe (Varroa destructor) vermehrt und entwickelt sich in den Brutzellen der Honigbiene, schadet den Larven beim Wachstum und befällt erwachsene Tiere, wodurch Krankheiten übertragen und die Bienen stark geschwächt werden. Der Befall eines Bienenstocks durch die Varroamilbe wird als Varroose bezeichnet, sie gilt als Hauptursache für das seuchenartige Bienensterben zur Herbst- und Winterzeit.

Heutzutage geht man davon aus, dass grundsätzlich alle Völker betroffen sind. Die Frage ist nur, wie stark. Bis auf Australien, wo es strenge Quarantäne-Vorschriften gibt, ist die Varroa heute auf allen Kontinenten der Welt in Honigbienenvölkern vertreten.

Mehr als nur Honig...

Die Arbeitsbiene bewahrt zuckerhaltige Absonderungen (Nektar) von Blüten, Blättern, Früchten oder Ausscheidungen der Blattläuse im Kropf (Honigmagen) auf. Der Nektar wird so in den Stock getragen, den Bienen des Innendienstes übergeben und innerhalb der Zellen durch Wasserverdunstung und mit eigenen Substanzen der Bienen zum haltbaren Honig eingedickt. Dieser „bearbeitete“ Nektar wird in die Waben eingelagert, wo er dann heranreifen kann.

Honig ist aber mehr als nur ein Nahrungsmittel. Er dient z.B. auch als Heilmittel bei vielerlei Krankheiten. Das durch die Bienen produzierte Wachs ist noch kostbarer (1 kg wird von ca. 150.000 Bienen in ihrem Leben produziert). Es wird heute weniger für Kerzen, sondern mehr für kosmetische und pharmazeutische Zwecke genutzt.